FREIE INTERNATIONALE UNIVERSITÄT – F.I.U.


F.I.U.

 

 

Nimm an: jemand setzt einen Preis aus für die größte Erbärmlichkeit – glaubst du nicht, daß auch diesen Preis nur sehr wenige erringen werden?

Sokrates

Der Dümmste ist für mich am interessantesten, weil ich glaube, dass ich von dem Dümmsten am allermeisten lernen kann.

Joseph Beuys


Die Freie internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung – Free International University for Creativity and Interdisciplinary Research (F.I.U.) wurde 1973 von u.a. von Joseph Beuys, Georg Meistermann, Klaus Staeck, Willi Bongard und Heinrich Böll als Verein gegründet, dessen Ziel es war, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives Potenzial unabhängig von ihrer sozialen Stellung und ihrem Bildungshintergrund zu entfalten. Die Idee hat sich seit Beginn der 1960-iger Jahre in unterschiedlichen Formenent wickelt, die wesentlich auch mit den künstlerischen Impulsen der Fluxus-Aktivitäten verbunden waren.
1977 war die Freie Internationale Universität, als ein kontinuierliches Seminar und ein offener Gesprächsraum, ein wichtiger Bestandteil von Beuys Präsentation der Honigpumpe am Arbeitsplatz auf der documenta 6 in Kassel.
Nach dem Tod von Joseph Beuys (1986) wurde die F.I.U. Geschäftsstelle in Düsseldorf formal aufgelöst. Gegenwärtig lebt die Idee in unterschiedlichen Initiativen und Projekten weiter, denn sie ist zu wichtig, um als isolierte Aktion eines Künstlers in den Analen der Kunstgeschichte zu verbleiben.

Gründet Arbeitsplätze der FREIEN INTERNATIONALEN UNIVERSITÄT, um gemeinsam die Fragen der sozialen Zukunft zu durchdenken.
Joseph Beuys

Wesentlich für die Idee der F.I.U. ist das Bild von einer Erweiterung des Kunstbegriffs in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, so dass sich die Fähigkeiten der Menschen im Gestalten der sozialen Plastik frei entfalten können. Durch diesen Impuls wird eine Transformation des Kapitalbegriffs und die Entwicklung von basisdemokratischen Formen der Mitbestimmung angestoßen, die unmittelbar zu zentralen Fragen der F.I.U. werden.
»Gründet Arbeitsplätze der FREIEN INTERNATIONALEN UNIVERSITÄT, um gemeinsam die Fragen der sozialen Zukunft zu durchdenken«1 fordert Beuys in seinem bekannten Aufruf zur Alternative in der Frankfurter Rundschau vom 23. Dezember 1978, denn: »Jeder Mensch ist das Wesen, das in seiner Sphäre den Weltinhalt gestalten kann, entweder als Malerei, als Musik, oder als Ingenieurkunst, als Krankenpflege, als Geldwissenschaft usw. Überall drängen die Prinzipien des Lebens dahin, in eine Form gebracht zu werden, also gestaltet zu werden.«2

In diesem Sinne ist klar, warum das »Sprachlabor« der sozialen Praxis als eine weitere Aussenstelle der Freien Internationalen Universität arbeitet.

Forschungsschwerpunkt ist dabei die Sprache als der Dreh und Angelpunkt jeder therapeutischen Kommunikation und aller Versuche sich über die Erfahrung eines Kunstwerkes miteinander auszutauschen.

An folgenden Projekten wird in Ansbach derzeit gearbeitet:

✪ »Im Anfang war kein Wort …«

– Eine Übertragung der Einleuchtenden Bemerkungen über die Malerei von Shi-Tao.

✪ »leerstelle«

– Ein literarischer Versuch zur Notwendigkeit übers Wasser zu gehen.

✪ »Work in Progress: A Practice Definition of Solution Focused Therapy«

– In Kooperation mit der EBTA Arbeitsgruppe um Peter Sundman.

✪ »Nagarjuna und de Shazer: Nicht-Wissen wissen.«

– Die Lösungsfokussierte Haltung und ihre Gründe der mittleren Lehre des Nagarjuna.

✪ »Was ist eigentlich eine psychische Krankheit?«

– Ein transzendentalphilosophischer Versuch gegen den Common Sense?

✪ »VOID … with emergency exit«

– Ein vergessener Nachtrag zur documenta X II.

✪ »Die schlimme Botschaft – Carl Einstein«

– Übersetzung ins Englische.

 
Aus den vielen unterschiedlichen Initiativen und Unternehmungen, die ebenfalls im Geiste der F.I.U. arbeiten oder die – wie zum Beispiel Die Grünen – aus F.I.U. Impulsen heraus entwickelt wurden sei hier exemplarisch auf einige wenige verwiesen, die zentral mit der Idee der F.I.U. verbunden sind.

Die Social Sculpture Research Unit, an der Oxford Brookes University, UK.

Der Verein Soziale Skulptur in Achberg und der durch Rainer Rappmann geführte FIU Verlag .

Die FIU Amsterdam. Dort findet sich auch eine längere Darstellung der Geschichte der FIU von Johannes Stüttgen.

Die Arbeit des Vereins Soziale Skulptur München.
 
 
 


 
 
1 Joseph Beuys: Aufruf zur Alternative. Frankfurter Rundschau vom 23. Dezember 1978.
2 Joseph Beuys: Das Museum – Joseph Beuys, Frans Haks; Ein Gespräch über seine Aufgaben, Möglichkeiten, Dimensionen. FIU-Verlag.
 
 

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