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Doppelbehinderung – Double Disablement
2012 In Ausstellung Konzept Konzept Performance void concept void equipollency

Doppelbehinderung mit Stuhl, Gespräch und Chaiselongue, Konstellation & Performance, 2012.

Die „Doppelbehinderung“ zeigt im Ausstellungsraum Objekte, die zur Verwirklichung einer Performance dienen, an der jeder Besucher teilhaben kann.

Die Objekte sind keine Kunstwerke, sie warten als Leerstellen auf ihre Brauchbarkeit in der Performance. Die Performance besteht aus einem therapeutischen Gespräch zwischen dem Künstler und dem Besucher während der Ausstellung im Ausstellungsraum.

Das Gespräch soll dem Besucher helfen, für eine persönlich empfundene Behinderung seiner freien Lebensentfaltung eine Lösung zu finden. Jeder Besucher ist eingeladen, einen persönlichen Termin mit dem Künstler zu vereinbaren. Alle Inhalte des Gesprächs sind vertraulich, weshalb die Ausstellung für die Dauer der Performance für alle anderen Besucher geschlossen wird. Diese Kunstbetrieb ist behindert, wann immer die Kunst wirklich stattfindet.

Objekte sind keine Kunstwerke

Obwohl Künstler – wenn sie Objekte hervorbringen – diese in der Regel nur an ökonomisch abgesicherte Menschen weitergeben können, ist die ökonomische Lage der meisten Künstler prekär. Obwohl wir soviel Kunst, wie vielleicht nie zuvor, zu haben scheinen, sind die Menschen geistig dadurch scheinbar nicht freier. Die Kunst scheint ihr Potential nicht bis in das tatsächliche Leben der Menschen hinein entfalten zu können.  

Die Konstellation „Doppelbehinderung“ behauptet und erzeugt innerhalb des Kunstbetriebs Leerstellen, die die Kunst aus der Sackgasse einer Produktion von Luxusobjekten führen könnten. Es entsteht ein Bild vom notwendigen Widerspruch zwischen Freiheitsanspruch und Behinderungsrealität in unserer künstlerische Tätigkeit, wie in unserem Leben.

Die in der Doppelbehinderung sichtbaren Äquivalenzen spielen sich innerästhetisch zunächst auf der Ebene Realobjekt und bildliche Repräsentation ab. Das Photo mit der Einladung, zeigt die Objekte die da sind, nur als Bild.

Wenn das Kunstwerk lebendig wird, zerstört es die formale Anordnung zugunsten einer lebendigen Auseinandersetzung und schließt gleichzeitig den Kunstbetrieb aus sich aus.

Der Kunstbetrieb ist Behindert

Insofern steht die Arbeit weder in der Tradition der „Dienstleistungskunst“ der 90iger noch in der Nähe von Arbeiten wie „the artist is present“ (M. Abramovic, 2010). Näher liegt schon eine Verwandtschaft mit Gustav Metzgers Idee auto-destruktiver Kunst.

Natürlich lässt sich die Konstellation auch als rein konzeptionelle Anordnung rezipieren. Dann ist sie als Kunst kaltgestellt und leblos. Die scheinbare Kunst behindert sich selbst, weil sie gar nicht sichtbar wird. Und die Kunst behindert das Leben, das sich in der Interaktion der Performance ereignen würde.

Findet das tatsächliche Gespräch jedoch statt, muss die Kunst als Rezeptionsvergnügen scheinbar warten. Durch das Schließen der Ausstellung tritt eine massive Behinderung des üblichen Betriebs auf. Es entsteht aber eine Leerstelle, die all dies erst sichtbar macht.

Die Performance behindert als Kunst die Kunst, schafft aber zugleich, als Kunst, eine Erfahrung, die das Wechselspiel beider Behinderungen darstellt. Und sie leistet als therapeutisches Gespräch das, was der unmittelbaren Erfahrung von Kunst immanent ist: ein Individuum erlebt sich als freier, in seinem Leben.

Der Mensch braucht viele Mittel bei seinen äußeren Werken; ehe er die, wo wie er sie in sich vorgestellt hat, hervorbringt, dazu gehört viel Zurüstung des Werkstoffes. Die Sonne aber verrichtet in ihrer Meisterschaft ihr Werk, das Erleuchten, gar schnell: sobald sie ihren Schein ausgießt, im gleichen Augenblick ist die Welt voll Licht an allen Enden.

Meister Eckhart, Predigt 57.


2012, Performance, Sichtbar, void concept, void equipollency
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